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Historische Friedensforschung und der Friedensprozess in Kolumbien

Unterstützung des Friedensprozesses in Antioquia

Der Friedensprozess in Kolumbien hat durch den Friedensnobelpreis 2016 für den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos weltweite Aufmerksamkeit erhalten. Doch Friedensfindung und die Durchsetzung einer „Kultur des Friedens“ sind kein statischer Moment, der sich in einem Preis, einer Nachricht oder einem Abkommen abzeichnet, sondern ein sozialer, gesellschaftlicher Prozess. Ein Prozess, den – so zeigt diese kleine Nachricht – auch die Historische Friedensforschung aus Bonn fruchtbringend begleiten kann.
Kolumbien stellt sich dem Friedensprozess mit der „Wahrheitskommission“, die seit 2017 den über 40 Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen Regierung und FARC-Kämpfer*innen aufarbeiten sowie Verbrechen aufklären und benennen wird.
Neben der Wahrheitskommission haben sich weitere gesellschaftliche Initiativen gegründet, die ihren Beitrag zur Schaffung einer Kultur des Friedens nach einem generationsübergreifenden Konflikt leisten. Hier engagiert sich die Universidad de Antioquia mit der eigens gegründeten Unidad Especial de Paz (UEP). „Construcción de paz territorial“, „Der Aufbau von Frieden in der Region“ lautet das Hauptziel dieser universitären Initiative, die ganz praktische Auswirkungen auf das politische und soziale Zusammenleben in der Region von Antioquia entfaltet. Durch Veranstaltungen und Projekte schafft die UEP Frieden vor Ort, durch Lehre, Forschung, Diskussion und internationalen Austausch. Sie schult und sensibilisiert Jugendliche und junge Erwachsene für die Friedenskonsolidierung, sie begleitet und fördert die Reintegration von mittlerweile 450 ehemaligen FARC-Kämpfer*innen und leistet so ihren Beitrag zur Friedensfindung.
Das Friedensprojekt der Universität hat nun eine neue Publikation hervorgebracht, die Prof. Dr. Rohrschneider und Jonas Bechtold M.A. vom Zentrum für Historische Friedensforschung unterstützt haben. „Hacia la Paz“ – „In Richtung Frieden“ heißt der über 200 Seiten fassende Band, der in der Region kostenfrei verteilt wird und seine Leser*innen für grundlegende Fragen von Friedensgeschichte und Friedensaufbau, aber auch die Zielsetzungen des UEP informieren will. Hauptteil der Publikation ist die spanische Übersetzung des grundlegenden Artikels „Friede“ von Prof. Dr. Wilhelm Janssen aus den „Geschichtlichen Grundbegriffen“ (hrsg. v. Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck). Janssen war von 1992 bis 1998 Direktor des Instituts für geschichtliche Landeskunde in Bonn, einem Vorgänger unserer heutigen Abteilung.
Die „pax civilis“, die für die historische europäische Friedensvorstellung zentral ist, wird auch ins Zentrum des Friedensfindungsprozesses der UEP in Kolumbien gestellt: Die Friedensarbeit dort wird als Gestaltungsprozess einer Kultur des Friedens und des Erlernens neuer Konfliktlösungswege verstanden, die sich von den bewaffneten Wegen aus Kolumbiens Vergangenheit unterscheiden. Dahinter steht ein Lern- und Transformationsprozess, der die Gesellschaft erfassen soll und mit einem unterschriebenen Abkommen erst begonnen hat.
Herr Luis Fernando Quiroz von der UEP hat den Artikel von Wilhelm Janssen ins Spanische übersetzt, kommentiert und kenntnisreich eingeleitet. Wir bedanken uns bei ihm und seinem Team für die Zusammenarbeit. Die Veröffentlichung wird am 26. März (10 Uhr Ortszeit – 16 Uhr MEZ) über den Youtube-Kanal der Universidad de Antioquia online vorgestellt – Sie sind dazu herzlich eingeladen und können der Veranstaltungen beiwohnen:
https://www.youtube.com/channel/UCszBPa0AyP2aL-81wdvs_gg
Wir gratulieren den kolumbianischen Kolleg*innen zur Veröffentlichung und wünschen ihren Vorhaben weiterhin alles Gute!
 

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