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Laufende Dissertationsprojekte

Auflistung der Projekte 

 

Abstracts

Dieter Bongartz M.A.

Das Wehrwesen der rheinischen Städte in der frühen Neuzeit

Seit jeher stellten Städte Machtfaktoren von enormer wirtschaftlicher, politischer und militärstrategischer Bedeutung dar. Daraus ergab sich für die Stadtherren sowie die städtischen Gemeinden zu jeder Zeit die Notwendigkeit auch Schutz und Wehrhaftigkeit ihrer Städte zu gewährleisten. Seit der Antike waren bauliche Verteidigungsanlagen wie Erdwälle, Palisaden, Mauern und seit der Frühen Neuzeit immer komplexere Festungswerke ein Garant für Sicherheit. Doch bedurften alle passiven Abwehrmaßnahmen stets einer aktiven wohl organisierten Besatzung, die im Bezug auf Ausrüstung und Ausbildung den Anforderungen einer sich ständig verändernden Kriegsführung Rechnung tragen musste. Ziel dieses Dissertationsprojektes soll es sein, am Beispiel ausgewählter rheinischer Städte wie Köln, Bonn und Siegburg Strukturen sowie Funktion des Wehrwesens, die sich aus den spezifischen geografischen, ökonomischen oder politischen Ansprüchen der einzelnen Städte ergaben, darzulegen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herauszustellen und Wandlungen über den vorgegebenen Zeitraum zu beobachten und zu erklären. In diesem Rahmen werden auch Fragen nach der Größe städtischer Aufgebote, ihrer Finanzierung und nicht zuletzt nach der zunehmenden Professionalisierung des städtischen Militärwesens durch Soldtruppen und Stadtsoldaten in der Frühen Neuzeit gestellt werden. Die Arbeit möchte zudem den Versuch unternehmen, die im Zuge der Analyse gewonnenen Erkenntnisse zur ökonomischen und gesellschaftlichen Stellung der Bürgermilizen in ihren sozialgeschichtlichen Kontext einzuordnen.

Kontakt: diolbo[at]t-online.de   

Betreuer: Prof. Dr. Manfred Groten

 

Dominik Büschken M.A.

Funktion und Wahrnehmung sozialer Mobilität in der englischen Gesellschaft des 12. Jahrhunderts

Soziale Ordnungsvorstellungen im 12. Jahrhundert stehen in der vormodernen Tradition soziale Ungleichheit aus einem transzendenten Ursprung zu deuten und zu legitimieren. In dieser festen Ordnung sind das Individuum, die Karriere und soziale Mobilitätszenarien keine Ordnungskategorien, die zur Funktion der Gesellschaft beitragen. Das 12. Jahrhundert in England ist aber in besonderem Maße gekennzeichnet durch politische, wirtschaftliche und soziale Umbrüche, die zurück auf die normannische Eroberung 1066 gehen. Diese Dynamiken begünstigten höfisch-administrative Karrieren und damit verbundene individuelle soziale Aufstiegschancen in einem sozialen Umfeld, in dem Herkunft, persönliche Verbindungen, Gunst und ständische Privilegien normativen Charakter besaßen, ohne schriftlich-definitorisch fixiert gewesen zu sein und gerade deshalb Mobilitätschancen außerhalb der gängigen Deutungsmuster begünstigten.

Deutungsmuster sozialer Wirklichkeit sahen sich so oft mit veränderten Realitäten konfrontiert, in denen Herkunft und soziale Position nicht immer den Vorstellungen entsprechend korrelierten. Die zentrale Frage des Projektes zielt darauf, diese Diskrepanzen zwischen Deutungsmustern und sozialer Wirklichkeit zu erfassen, die Korrelation etwaiger zeitgenössischer Wahrnehmung sozialer Mobilität und der Funktion sozialer Mobilität für die Stabilität der Sozialstruktur zu beleuchten und die Mobilitätschancen trotz abweichender normativer Deutungsmuster soziologisch zu erklären

Kontakt: dominikb[at]uni-bonn.de 

Betreuer: PD Dr. Alheydis Plassmann | Prof. Dr. Matthias Becher


Janusch Carl:

Die Kölner Geschlechter im 14. und frühen 15. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert befanden sich die Kölner Geschlechter auf dem Höhepunkt ihrer politischen Macht. Nach dem Sieg der Bürger Kölns über Erzbischof Siegfried von Westerburg in der Schlacht von Worringen 1288 konnten die führenden Familien ihre Macht im 14. Jahrhundert voll entfalten. Der politische Aspekt des Geschehens in dieser Zeit ist in der Forschung bereits umfassend behandelt worden. Doch was spielte sich auf der sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Ebene innerhalb der führenden Familien ab? Besonders diese Bereiche werden in der Arbeit vor dem politischen Hintergrund betrachtet. Der Untersuchungszeitraum wurde auf das frühe 15. Jahrhundert ausgedehnt, um die Auswirkungen der Revolution von 1396 und damit des Endes der Geschlechterherrschaft, erfassen zu können. Aufgrund des umfangreichen Quellen- und Literatur-Bestandes ist eine Untersuchung aller Kölner Geschlechter nicht möglich. Daher soll voraussichtlich die Entwicklung der Familien Gir, Hardevust, von Lyskirchen und Scherfgin als beispielhafte Vertreter der Führungsschicht ermittelt werden.

Kontakt: jswcarl[at]googlemail.com   

Betreuer: Prof. Dr. Manfred Groten


Leonard Dorn M.A.:

Kriegsgefangenschaft im Siebenjährigen Krieg. Normen – Praktiken – Lebenswirklichkeiten 

Gefangenschaft als Problemfeld kriegerischer Auseinandersetzungen ist eine geschichtliche Konstante und verliert daher nie an Aktualität. Der Themenkomplex 'Kriegsgefangenschaft' ist im Hinblick auf das 20. Jahrhundert gut erforscht, wohingegen andere Epochen, insbesondere die Frühe Neuzeit, bisher kaum das Interesse der Geschichtswissenschaft geweckt haben. Exemplarische Studien existieren bisher in erste Linie zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Revolutions- und Empirekriegen. Das Dissertationsprojekt soll daher als Fallstudie dazu beitragen die bestehenden Lücken zu füllen. 

Für eine Untersuchung des Phänomens der Kriegsgefangenschaft eignet sich die Zeit des Siebenjährigen Krieges in besonderem Maße, denn sie ist der Scheitelpunkt der Entwicklung des frühmodernen Kriegsstaats mit Stehendem Heer und zunehmend effizienter werdender Militäradministration. Im Fokus steht das komplexe Verhältnis von Normen, Praktiken und Lebenswirklichkeiten im Kontext der Kriegsgefangenschaft. Das Augenmerk der Studie wird dabei auf dem britisch-französischen Konflikt liegen, der sich – gemessen am 'Kraftaufwand' der Kriegsparteien – hauptsächlich in Nordwestdeutschland, zur See und in Nordamerika abspielte.

Auf breiter Quellenbasis soll nach den Spezifika des Umgangs mit Gefangenen im 18. Jahrhundert  und den damit verbundenen völkerrechtlichen bis patriotischen Diskursen gefragt werden. Die Verwahrdauer der Gefangenen folgte beispielsweise einer zeitspezifischen Logik, welche den Praktiken der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts diametral entgegen steht: Anstatt dem Opponenten dauerhaft sein militärisches Potenzial zu entziehen, hatte der wechselseitige Austausch der Kriegsgefangenen meist Priorität. In Anknüpfung an jüngste Forschungen steht außerdem der soziokulturelle 'Impact' der Gefangenschaft im Fokus. Ziel ist es somit eine konzise Gesamtdarstellung, als Kontrapunkt zur „veritablen Nichtexistenz wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema“ (Daniel Hohrath) zu schaffen.

Kontakt: leonard.dorn[at]uni-bonn.de

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider


Frank Engel M.A.:

Das Kölner Domkapitel in der Zeit Erzbischof Dietrichs von Moers (1414-1463)

In der Regierungszeit Erzbischof Dietrichs von Moers (1414-1463) veränderte sich die Position des Kölner Domkapitels gegenüber dem Kurfürsten und Erzbischof in grundsätzlicher Weise: Es wechselte von der Seite der "Herrschaft" auf die des "Landes", tauschte gleichsam die Rolle eines Teilhabers an der erzbischöflichen Regierungsgewalt gegen die des ersten Landstandes im Erzstift ein. Mit der 1463, nach dem Tode Erzbischof Dietrichs, von den Landständen des rheinischen Erzstiftes einschließlich des Domkapitels geschlossenen Erblandesvereinigung erhielt das Kurfürstentum Köln seine wichtigste, bis zum Ende des Ancien Régime gültige Verfassungsurkunde. Während die Positionierung des Domkapitels zwischen dem Erzbischof und den weltlichen Landständen in ihren einzelnen Phasen mittlerweile als gut erforscht gelten kann, ist über die "auswärtigen", die Territorialgrenzen überschreitenden Beziehungen des Kapitels und über sein Verhältnis zum Diözesanklerus bisher recht wenig bekannt. Dies gilt für das Domkapitel als Korporation wie für die einzelnen Domherren. Wilhelm Kisky hat bereits 1906 eine Aufstellung über den Personalbestand des Kapitels im 14. und 15. Jh. vorgelegt, die den größeren Teil der Domkanoniker in der Zeit Erzbischof Dietrichs erfassen dürfte. Das Dissertationsprojekt soll diese Personenliste vervollständigen, v. a. aber die von Kisky gebotenen, knappen biographischen Informationen zu möglichst detaillierten Kurzbiographien ausarbeiten: Welche persönlichen Beziehungen hatten die einzelnen Domherren des Untersuchungszeitraums untereinander, zu Erzbischof Dietrich, zu extraterritorialen politischen Potenzen? Wie wirkte sich dabei - dies gilt natürlich besonders für die hochadligen Edelkanoniker - ihr familiärer Hintergrund aus? Wo lag ihr Lebensmittelpunkt, im Umkreis des Kölner Domes, bei einem anderen Kollegiatstift der Erzdiözese oder außerhalb der Bistumsgrenzen? Wie standen die Kölner Domherren zu den geistigen und geistlichen Zeitströmungen, insbesondere zu Konziliarismus und Klosterreform? Die Beantwortung dieser Fragen soll dazu beitragen, die innere Verfassung des Domkapitels - hauptsächlich im Sinne von "Verfassungswirklichkeit" - besser zu verstehen. Auch auf die Beziehungen der Korporation Domkapitel zum übrigen Diözesanklerus und zum Kurfürst-Erzbischof wird von dorther, eben durch die Untersuchung ihrer personellen Rahmenbedingungen, zusätzliches Licht fallen.

Kontakt: fengel[at]dwdg.de 

Betreuer: Prof. Dr. Manfred Groten

 

Dominik Fasel M.A.:

Kongressorganisation im Vergleich. Münster/Osnabrück, Nimwegen und Rijswijk

Der Westfälische Friedenskongress in Münster und Osnabrück (1643-1649) stellte den ersten großen, multilateralen Friedenskongress der europäischen Geschichte dar. Er stand am Anfang einer Reihe von Friedenskongressen, die die zwischenstaatlichen Beziehungen in Europa gestaltet haben. Das Dissertationsprojekt möchte untersuchen, inwiefern die Diplomaten auf den Friedenskongressen in Nimwegen (1676-1679) und Rijswijk (1697) auf diese Erfahrungen zurückgreifen konnten und zurückgegriffen haben. Wie präsent war der Westfälische Friedenskongress als Referenzpunkt bei der Organisation der folgenden Kongresse? In welchen Aspekten war er positives Vorbild oder Negativbeispiel?

Der Schwerpunkt liegt auf technisch-organisatorischen Gesichtspunkten der Kongresse wie etwa der Auswahl des Kongressorts, der Bestimmung des Teilnehmerkreises, der Einigung auf bestimmte Aspekte eines Kongresszeremoniells, der Form der Verhandlungen oder der Festlegung der Verhandlungssprachen. Während die Inhalte der Verhandlungen von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängig waren, lassen sich in diesen Punkten Kontinuitäten, Entwicklungen oder Innovationen feststellen. Durch die vergleichende Betrachtung dieser drei Kongresse möchte die Untersuchung Erkenntnisse über die Entwicklung des Kongresswesens im 17. Jahrhunderts gewinnen, aber auch einen Beitrag zur Forschung zu den beiden weniger gut untersuchten Kongressen in Nimwegen und Rijswijk leisten.

Kontakt: fasel[at]uni-bonn.de 

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Thomas Fuchs M.A.:

Universität und Öffentlichkeit. Die Bonner Professorenschaft im öffentlichen Raum

Der ordentliche Professor des 19. Jahrhunderts zeichnete sich als „politischer Professor“ oder durch vielfältige Beteiligung in außeruniversitären Einrichtungen wie Vereinen und Gesellschaften sowie durch die Mitgliedschaft in repräsentativen Gremien oder Parlamenten (Stadtrat/Landtag) aus. Diese Entwicklung erfuhr, wie von Walter Rüegg beschrieben, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Bruch, der dadurch gekennzeichnet war, dass sich die Professoren immer stärker aus dem öffentlichen Raum zurückzogen und stattdessen die Universität als Institution versuchte, durch öffentliche Vorlesungen oder Veranstaltungen in Erscheinung zu treten, bei denen der Professor als Repräsentant der Universität wirkte.

Ziel der Dissertation soll es sein, nachzuprüfen, inwiefern diese Entwicklung für Bonn stattgefunden hat und wann sich ein solcher Wendepunkt bestimmen lässt. Ausgehend von der theoretischen Diskussion seit der Arbeit „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ von Jürgen Habermas soll eine begriffliche Annäherung an das Konzept „Öffentlichkeit/öffentlicher Raum“ erfolgen. Dabei soll die Arbeit unter anderem durch folgende Fragen geleitet werden: Wie lässt sich zunächst die starke Motivation erklären, den Vereinen und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen beizutreten? Welche offiziellen Angebote seitens der Universität wurden entwickelt, um sich der Öffentlichkeit zu öffnen? Inwiefern haben sich das Bild und der Anspruch an die Universität gewandelt? Hat sich der Gedanke des Bildungsauftrages gewandelt?

Kontakt: s5thfuch[at]uni-bonn.de    

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

  

Heinz Adrian Hartke M. A.:

Franz Wilhelm von Wartenberg und die katholischen Maximalisten bei den Westfälischen Friedensverhandlungen

Die geplante Untersuchung möchte die Rolle der katholischen Maximalisten (Franz Wilhelm von Wartenberg, Adam Adami und Johann Leuchselring) als geistliche Reichsfürsten bzw. deren Vertreter auf dem Kongress darstellen, die sich in einem Konflikt befanden: geistlicher und weltlicher Herr zugleich zu sein und somit dem Kaiser und dem Papst verpflichtet. Die mehrfach verankerte Rechtsbindung des Reiches an das Papsttum bildete ein weit mehr als formales Problem. Ein geistlicher Reichsfürst war nicht nur von der Belehnung durch das Reichsoberhaupt, sondern auch von der Konfirmation des Papstes abhängig. Aufgrund seines doppelten Treueverhältnisses musste ein geistlicher Reichsfürst Kompromisse eingehen, die weder der eigenen Stellung und dem Heiligen Stuhl noch dem Reich und dem Kaiser zu sehr schadeten. Das Gewissensprinzip war die höchste Verhaltens- und Handlungsnorm, auch in politischen Fragen. Die katholischen Maximalisten nahmen daher eine unnachgiebige Haltung auf dem Kongress ein und setzten sich maßgeblich für die Belange der katholischen Kirche ein. Ihre Kompromisslosigkeit war mit dem Weg zum Verständigungsfrieden, der sich spätestens seit Ende 1647 anbahnte und von einflussreichen katholischen Reichsständen vorbereitet wurde, nicht vereinbar. Von den Protestanten spöttisch als "Triumvirn" bezeichnet, gerieten sie am Ende der Verhandlungen deshalb ins Abseits. Dennoch haben die Triumvirn maßgeblich die Verhandlungen geprägt.

Die Untersuchung folgt einer akteurszentrierten Perspektive und nimmt erstmalig die Gruppe der Triumvirn in den Fokus. Dabei soll u.a. die Frage beantwortet werden, ob und wie eine intransigente Gruppe versuchte, den Frieden wiederherzustellen. Zudem wird erforscht, ob eine Zusammenarbeit der Triumvirn untereinander erkennbar ist und wenn ja, wie und mit wem zusammengearbeitet wurde. Hierbei gibt die Analyse der Kontakte sowie der Voten der katholischen Stände aufschlussreiche Erkenntnisse. Dazu dient die systematische quantitative Auswertung der Kontakte Wartenbergs aus seinem „Diarium“.

 Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Alexander Gerber M.A.:

Verfahrenspraktiken in den reichsständischen Beratungen auf dem Westfälischen Friedenskongress

Die Rolle der Reichsstände auf dem Westfälischen Friedenskongress ist im Gegensatz zum Wirken der auswärtigen Mächte wie auch der kaiserlichen Seite nur wenig erforscht. Das Vorhaben will in diesem Sinne die Beratungen der drei reichsständischen Kurien (Kurfürstenrat, Fürstenrat und Städterat) vergleichend untersuchen.

Quellengrundlage der Arbeit ist die im Rahmen der Acta Pacis Westphalicae erarbeitete Edition der reichsständischen Beratungsprotokolle. Ergänzt wird diese durch weiteres Material wie etwa die Instruktionen der reichsständischen Gesandten oder die Protokolle des Corpus Catholicorum und Corpus Evangelicorum.

Die Untersuchung konzentriert sich dabei auf die zur Anwendung kommenden Verfahrenspraktiken, welche grundsätzlich von essentieller Bedeutung waren, um einen strukturierten Ablauf der Verhandlungen zu sichern, aber auch, um Räume für die Inszenierung von Rang und Status eines jeden Teilnehmers zu schaffen. Vorarbeiten haben gezeigt, dass auch die sogenannten „mindermächtigen“ Akteure am Westfälischen Friedenskongress wie etwa die Reichsstädte Verfahrenspraktiken in diesem Sinn verstanden, gezielt ausübten oder auch bewusst boykottierten.

Themenfelder, bei denen diese Strategien zum Tragen kamen, waren etwa die je nach Situation und Akteur unterschiedliche Wahrnehmung des Kongresses als ein conventus extraordinarius oder ein „Quasi-Reichstag“, die teils problematische Rollenvielfalt der Gesandten, die oftmals neben mehreren Reichsständen auch eigene Interessen der Statusrepräsentation vertraten, die Inszenierung der Sitzordnung und der protokollierten Abstimmungen in den Kurien sowie die Besetzung und Durchführung von Deputationen zu anderen Kongressteilnehmern.

Über diese Themenfelder sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede reichsständischer Verhandlungspraktiken herausgearbeitet werden, um so einen Beitrag für das Verständnis frühneuzeitlicher Friedenskongresse zu leisten.

Kontakt: s3algerb[at]uni-bonn.de

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

 

Gregor Hecker M.A.:

Die Jülichsche Ritterschaft im 15. Jahrhundert

Das Herzogtum Jülich wurde im Spätmittelalter – wie alle Territorien des Alten Reiches – vom Landesherrn gemeinsam mit Landständen regiert. In Jülich handelte es sich dabei um Städte und Ritterschaft. Die Ursprünge dieser landständischen Mitwirkung liegen im 14. Jahrhundert; aus diesem Zeitraum sind regelmäßig Fälle bekannt, in denen Gruppen aus Rittern und städtischen Vertretern dem Landesherrn in Fragen der Regierung gegenübertraten.
Die Jülichsche Ritterschaft lässt sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts quellenmäßig sehr gut erfassen, beispielsweise geben Ritterzettel darüber Auskunft, wer Mitglied der Ritterschaft und landtagsfähig war. Problematisch erscheint jedoch, dass die ältere Forschung diese ausdifferenzierte landständische Verfassung der frühen Neuzeit kurzerhand auf das Spätmittelalter projiziert hat, wobei der Zeitraum vor dem 16. Jahrhundert selber unerforscht geblieben ist. Außerdem führte die ältere Adelsforschung oftmals nachmittelalterliche Dienst- und Besitzverhältnisse auf vermeintlich mittelalterliche Ursprünge zurück, die in dieser Form oftmals nicht haltbar sind.
Die Entwicklung der Jülichschen Ritterschaft zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert, also von einer losen Gruppierung hin zu einem verfassten landständischen Organ, ist bislang ein Desiderat der Forschung und gleichzeitig der Ansatzpunkt des Dissertationsprojektes.
Der Begriff „Ritterschaft“ erscheint erstmals 1423 in den Jülicher Quellen und taucht anschließend regelmäßig auf. Es gilt also zunächst festzustellen, wer nach Maßgabe der zeitgenössischen Quellen Teil der Ritterschaft war und woran sich diese Mitgliedschaft festmachen lässt. Anschließend wird diese definierte Personengruppe im Rahmen einer Gruppenbiographie untersucht. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf der Frage, wie sich die Ritterschaft selbst organisierte, welchen Anteil am landesherrlichen Regiment sie hatte und zu welchen Diensten sie vom Landesherrn herangezogen werden konnte.

Kontakt: ghecker[at]uni-bonn.de 

Betreuer: Prof. Dr. Manfred Groten

 

Jochen Hermel M.A.:

Katholische Stadt – Nichtkatholische Einwohner. Die Heimlichen Gemeinden im 17. Jahrhundert

In der frühen Neuzeit bemühte sich der Rat der Stadt Köln um ein betont katholisches Image. Zu diesem Zweck propagierte er die im Mittelalter entworfene Vorstellung der „heiligen katholischen Stadt“ und dem Ideal einer homogenen und konfliktbefreiten Stadtbevölkerung. Im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert verbannten eine Reihe innenpolitischer Maßnahmen nichtkatholische Elemente aus dem öffentlichen Raum und die Angehörigkeit zur katholischen Konfession wurde zur  Vorbedingung für die Wählbarkeit in den Magistrat. Darüber hinaus sollte die konfessionelle Einheit der städtischen Einwohnerschaft durch eine enge Verzahnung städtischer Repräsentation mit katholischen Elementen demonstriert werden. Trotz dieser obrigkeitlichen Bestrebungen existierte dauerhaft eine evangelische Minderheit in der Stadt. Der größte Teil war in drei reformierten, den so genannten „Heimlichen Gemeinden“, organisiert. Die Arbeit geht den Strukturen und Strategien nach, die diese Gemeinden unter diesen Vorraussetzungen entwickelten und anwandten. Diese werden unter den wechselhaften Bedingungen während des Dreissigjährigen Krieges und in der konfessionspolitisch grundlegend veränderten Situation nach dem Westfälischen Frieden betrachtet.

Kontakt: jochen.hermel[at]web.de

Betreuer: Prof. Dr. Manfred Groten

 

Johannes Kaminski M.A.: 

Die Entwicklung der rheinischen Rechenbücher in der Frühen Neuzeit

Rechenbücher und arithmetische Texte aus der Frühen Neuzeit sind Quellen, die über weit mehr Aufschluss geben können, als über die allgemeine Entwicklung der Arithmetik und über die Methodik des Mathematikunterrichts, für den sie in der Regel verfasst wurden. Der derzeitige Forschungsstand zur Geschichte von Rechenbüchern und ihren Verfassern variiert allerdings je nach zeitlicher, (sprach)räumlicher und biographischer Perspektive zum Teil erheblich. Betrachtet man deutsche bzw. im deutschen Sprachraum entstandene Rechenbücher des 15., 16. und 17. Jahrhunderts, so stellt man fest, dass es neben einer ganzen Reihe von inzwischen gut und detailliert aufgearbei­teten Werken (vor allem aus dem mittel- und süddeutschen Raum) nach wie vor zahlreiche blinde Flecken gibt. Dies gilt insbesondere für solche Rechen­bücher, die von rheinischen Rechen- bzw. Schulmeistern verfasst und/oder die im Rheinland publiziert wurden, beispielsweise in Köln. Dass es sich im Falle von frühneuzeitlichen Rechenbüchern aus rheinischer Provenienz um ein Desiderat handelt, ist dabei auch deshalb erstaunlich, da die Bedeu­tung solcher Werke als Literaturgattung und als Träger/Vermittler ele­mentaren Mathematikwissens nicht nur unter (mathematik)historischen, sondern auch unter bildungs- und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten kaum hoch genug eingeschätzt werden kann.

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die beschriebene Schieflage zu beseitigen und anhand ausgewählter Beispiele die rheinischen „Verwandten“ von Adam Ries, Johann Neudörffer oder Simon Jacob bekannter zu machen; anhand der inhaltlichen Erschließung ihrer Rechenbücher und unter Einbeziehung von biographi­schen bzw. soziologischen Charakteristika bekannter rheinischer Rechenmeister wird versucht, sowohl dem bis­lang noch sehr unscharfen Bild vom arithmetischen Schrifttum im Rheinland als auch der ma­thematischen Unterrichtspraxis in der Frühen Neuzeit im Allgemeinen schärfere Konturen zu verleihen.

Kontakt: kaminski[at]or.uni-bonn.de

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider | Prof. Dr. Ina Prinz (Arithmeum Bonn)

 

Marit Kleinmanns M.A.:

Das frühneuzeitliche Sámi-Bild im Wandel. Das Fremde in den Indigenen-Darstellungen der Frühen Neuzeit

Ziel des Forschungsvorhabens ist es die Entwicklung und Veränderung des Bildes, das die Lapplandreisenden der Frühen Neuzeit verbreiteten, aufzuzeigen und eine Zusammenstellung der frühneuzeitlichen Wissensbestände über die Sámi und deren Kultur zu bieten. In einer Epoche, in der beinahe sämtliche Teile der Welt in Exkursionen erkundet wurden und ein reges Forschungs- und Erkenntnisinteresse herrschte, wandelte sich die Wahrnehmung anderer Kulturen schnell und teils in drastischer Weise: dies gilt besonders für das Sámi-Bild. Die untersuchten Reiseberichte geben dabei Aufschluss darüber, wie sich der Blick auf die Sámi im Zuge der neuen Erkenntnisse und gemachten Erfahrungen veränderte.

Kontakt: m.kleinmanns[at]uni-bonn.de; Twitter: @fraukretsch

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Rebecca van Koert:

Das Briefwerk des Friedrich von Gentz. Studien zur kommunikativen Praxis eines politischen Schriftstellers und Akteurs der „Sattelzeit“

An der Person des 1764 in Breslau geborenen und 1832 bei Wien gestorbenen Friedrich von Gentz scheiden sich bis heute die Geister. Für die einen die „beste Feder Deutschlands“ (vgl. Golo Mann) und ein Meister der Pressepolitik, mit dessen rhetorischer Brillanz sich selbst Ernst Moritz Arndt und Joseph Görres nicht messen konnten (so Wolfram Siemann), wird er von den anderen als Mann ohne Ehre, der sich für Geld verkauft, mit Verachtung bestraft (vgl. Harro Zimmermann). In Erinnerung bleibt er vor allem durch die Früchte seiner Arbeit als politischer Schriftsteller und seine Position als Berater Metternichs. Über sein Leben und Wirken als Akteur auf der politischen Bühne der „Sattelzeit“ geben dabei nicht nur seine zahllosen Essays und Abhandlungen, sondern auch eine unermesslich große Anzahl von Briefen, die er zu Lebzeiten geschrieben und empfangen hat, Aufschluss. Seine Briefe sind es auch, mit denen sich das vorliegende Dissertationsprojekt beschäftigt. Die Quellengrundlage basiert auf über 7.000 Briefen, die der Kölner Politiker und Historiker Günter Herterich (1939-2014) kompilierte und der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln vermachte. Erstmalig sollen die Briefe dazu dienen, weder Gentz‘ berühmte Korrespondenzpartner noch sein schriftstellerisches Œuvre in den Fokus zu rücken, sondern anhand von fünf bislang eher wenig beachteten Briefpartnern eine „Innenansicht“ auf verschiedene Lebensbereiche des Akteurs Friedrich von Gentz zu bieten. Neben dem Charakter der Beziehung zwischen den Briefpartnern soll es aber auch um die formalen und inhaltlichen Eigenschaften der Briefwechsel gehen und dadurch zur Erforschung der Briefkultur im 19. Jahrhundert beigetragen werden.

Kontakt: rebecca.van.koert[at]t-online.de  

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

 

Markus Laufs M.A.:

Ein diplomatisches „Weltwunder“. Praktiken niederländischer und päpstlicher Friedensvermittlung auf den Kongressen von Münster (1643–1648) und Nijmegen (1676–1679) im Vergleich

Alvise Contarini, der venezianische Vermittlungspartner des päpstlichen Nuntius Fabio Chigi auf dem Westfälischen Friedenskongress, verglich den französisch-kaiserlichen Friedensschluss am 24. Oktober 1648 in Münster mit einem Weltwunder. Diese rhetorisch wirkende Formulierung verdeutlicht den auch für die Mediatoren schweren Weg hin zu einer Friedensfindung.
Die Rolle und die Praktiken von traditionellen päpstlichen und informellen niederländischen Friedensvermittlern bei bilateralen Verhandlungen und Kongressen in der Frühen Neuzeit vergleichend zu untersuchen, ist Aufgabe dieses Dissertationsprojektes. Aufgrund ihrer auffallenden Präsenz und ihres hohen Stellenwertes ist die historisch-praxeologische Erschließung von Friedensvermittlung für ein ganzheitliches Verständnis der frühneuzeitlichen Diplomatie unbedingt notwendig. Als zentrale Schauplätze des Vergleichs dienen die Friedenskongresse von Münster (1643–49) und Nijmegen (1676–79). Eine große Variabilität der zwei Vermittlungsstränge ist gerade deshalb möglich, da sich die zwei Mächte in ihrer Verfasstheit grundlegend voneinander unterschieden.
Vor allem die Frage nach akteurs- und situationsabhängigen Vermittlungspraktiken steht im Fokus dieser Untersuchungen. Dabei zeigen erste Ergebnisse, dass Vermittlungspraktiken eine für die Friedensfindung größere Bedeutung besaßen, als das die formelle Übermittlung von Schriftstücken, auf die frühneuzeitliche Friedensvermittlung häufig reduziert wird, vermuten lässt.

Kontakt: markus.laufs[at]web.de  

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Marcel Mallon M.A.:

Kunstraub im Dreißigjährigen Krieg

In den letzten Jahren sind die Themen Beutekunst und Raubkunst verstärkt in der Öffentlichkeit präsent. Durch den Fund der Sammlung Gurlitt und die Raubgrabungen des IS im Nahen Osten rückte die Thematik in den Fokus. Beute machen, und speziell das Aneignen von Kunstgegenständen, ist seit jeher mit kriegerischen Auseinandersetzungen verknüpft. Während beispielsweise die Napoleonischen Kriege oder der Zweite Weltkrieg in dieser Hinsicht gut erforscht sind, gilt dies für die Epoche der Frühen Neuzeit nicht. In diese Lücke möchte mein Dissertationsvorhaben stoßen und das Thema Kunstraub während des Dreißigjährigen Krieges untersuchen. Dabei soll neben den bekannten, spektakulären Fällen wie dem Raub der Bibliotheca Palatina in Heidelberg durch die katholische Liga (1622) und dem schwedischen Beutezug in Prag (1648) paradigmatisch eine Auswahl der größeren und kleineren Fälle betrachtet werden, die im Laufe von drei Jahrzehnten begangen wurden.

Ziel der Arbeit ist es herauszuarbeiten, von welchen Motiven die Akteure geleitet und wie die Beute ausgewählt wurde. Zudem soll untersucht werden, ob, und wenn ja, welche rechtlichen Grundlagen die Plünderungen legitimierten. Ebenfalls soll untersucht werden, was die neuen Besitzer mit den Kunstgütern machten, d.h. in welche neuen Kontexte sie gestellt wurden. Darüber hinaus ist zu prüfen, welche Regelungen die Friedensverträge hinsichtlich der Restitution trafen.

Die Literaturlage ist vergleichsweise disparat. Die bekannten Fälle sind gut aufgearbeitet, während zu den kleineren kaum Untersuchungen vorliegen. Die Quellen liegen insbesondere in München, Wien, Prag, der Vatikanstadt und Stockholm.

Kontakt: s5mamall[at]uni-bonn.de 

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

 

Florian Obrecht M.A.:

Die Außenbeziehungen der Reichsstadt Aachen im 17. und 18. Jahrhundert

Das Dissertationsprojekt widmet sich einem bislang wenig erforschten Aspekt in einer ebenfalls bisher wenig beleuchteten Phase der Aachener Stadtgeschichte. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf den Beziehungen der alten Kaiserstadt zu Frankreich, das insbesondere unter der Herrschaft König Ludwigs XIV. im Westen des Reichs politisch und militärisch verstärkt aktiv war. Gestützt auf umfangreiches Archivmaterial soll eine moderne Diplomatiegeschichte entstehen, die auch besonderes Augenmerk auf die in der älteren Forschung oftmals vernachlässigten Fragen diplomatischen Zeremoniells legt. Darüber soll neben der von Bürgermeistern, Syndici und Rat geleiteten „staatlichen Außenpolitik“ auch die Ebene privater Interaktionen zwischen Aachener Bürgern und Untertanen der französischen Krone untersucht werden.

Kontakt: s5flobre[at]uni-bonn.de   

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

 

Sandra Otto M.A.:

„Viele Welten leben“ – Aspekte weiblicher Migrationserfahrung im 17. und 18. Jahrhundert

Migrationsprozesse sind keinesfalls nur ein bedeutsamer Bestandteil jüngerer historischer Ereignisse, vielmehr lassen sie sich in allen historischen Epochen nachweisen. Die historische Migrationsforschung zeigt sich heute als ein weit ausdifferenziertes Feld, allerdings sind Untersuchungen, die vor dem Beginn der transatlantischen Wanderungen im Verlauf des 19. Jahrhunderts ansetzen, deutlich unterrepräsentiert und die Kenntnisse in vielen Bereichen noch fragmentarisch. Treten zudem weibliche Migrantinnen in das Zentrum der Betrachtung, zeigen sich die Erkenntnisse noch übersichtlicher. Das Dissertationsvorhaben begibt sich auf dieses noch wenig erschlossene Forschungsfeld, indem es den Blick dezidiert auf weibliche Migrantinnen des 17. und 18. Jahrhunderts richtet.

Ziel der Arbeit ist es, die geschlechtsspezifischen Eigenheiten, Hindernisse, aber womöglich auch Chancen und Vorteile herauszuarbeiten, mit denen sich Frauen konfrontiert sahen, die sich an einem neuen Wohnort niederließen, der sich anhand von kulturellen, religiösen oder auch weiteren, noch näher zu bestimmenden, Rahmenbedingungen von ihrem Herkunftsort unterschied. Methodisch bedient sich die Studie eines komparativen Ansatzes, sodass die individuellen Erfahrungen nicht als jeweiliger Einzelfall für sich stehen bleiben, sondern in ein übergeordnetes Erkenntnisbild eingefügt und infolgedessen systematisierte Aussagen getroffen werden können.

Kontakt: otto[at]uni-bonn.de 

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

  

Florian Sommer M.A.:

Die Kölner Erzbischöfe und Westfalen 1180 bis 1368

Die Erzbischöfe von Köln gehörten zu den mächtigsten Fürsten des Reiches. Auf regionaler Ebene verfügten sie ebenfalls über besonderen Einfluss und waren sehr gut vernetzt. Seit der Zeit der Ottonen waren die Erzbischöfe Herzöge im linksrheinischen Gebiet (Herzogtum Niederlothringen bzw. Rheinisches Herzogtum). Auch rechts des Rheins entfalteten die Kölner Erzbischöfe bereits im 10. und 11. Jahrhundert an strategisch wichtigen Orten weltliche Macht. Im Zentrum des Dissertationsprojektes steht die Frage, wie die Kölner Erzbischöfe ihre Position in Westfalen systematisch ausbauten und weiter entwickelten, welche Methoden und Instrumente sie dazu anwandten und welche Schwerpunkte einzelne Amtsträger dabei vor dem jeweiligen historischen Kontext setzten. Als Startpunkt bietet sich dazu die Verleihung des Herzogtums Westfalen an Erzbischof Philipp von Heinsberg durch Kaiser Friedrich I. im Jahr 1180 an (Gelnhäuser Urkunde). Das Ende des Untersuchungszeitraums soll der Erwerb der lange Zeit mit den erzbischöflich-herzoglichen Interessen konkurrierenden Grafschaft Arnsberg durch Kurköln im Jahr 1368 markieren. Um das Vorgehen der Erzbischof-Herzöge über 180 Jahre hinweg zu analysieren, wird als grundlegende Methode der Vergleich genutzt. Alle untersuchten Protagonisten erfüllen qua Amt definierte Funktionen (z.B. geistlicher Oberhirte, Verantwortlicher für das Kirchengut, Gerichtsherr, Herzog etc.). Die Ausfüllung dieser Aufgabenbereiche kann dann anhand bestimmter Kriterien (z.B. Klostergründungen, Lehnspolitik, Burgenbau, Städte, Verwaltung, Landfrieden etc.), ausgewertet werden. Welche Entwicklungen und welchen Wandel die Kölner Westfalenpolitik erfahren hat und wie sich die Position des Kölner Erzbischof-Herzogs dort verändert hat, soll so deutlich werden.

Kontakt: f.sommer[at]uni-bonn.de 

Betreuer: Prof. Dr. Manfred Groten

 

Tobias Tenhaef M.A.:

Vom Konflikt zum Aufstand. Das Verhältnis der Stände des Herzogtums Geldern und der Grafschaft Zutphen zu Philipp II. von Spanien 1567–1581

Die Übernahme der Generalstatthalterschaft durch den Herzog von Alba im August 1567 und die Absetzung Philipps II. als Landesherr der Niederlande durch die Generalstaaten im Juli 1581 markierten auch für das Herzogtum Geldern und die Grafschaft Zutphen historische Wendepunkte. Das Dissertationsvorhaben setzt sich zum Ziel, die zum offenen Aufstand als höchster Eskalationsstufe eines Konflikts zwischen Landesherr und (ständischer) Untertanenschaft führenden Prozesse am Beispiel des in der Forschung bisher wenig beachteten, niederrheinländischen Territoriums Geldern zu untersuchen. Bei der Analyse des fortschreitenden Scheiterns einer friedlichen Konfliktaustragung wird ein besonderes Augenmerk auf die Argumentationsstrukturen der beteiligten Akteure, namentlich die landständische "Widerstandssprache" (Arno Strohmeyer), gelegt. Durch die Kontextualisierung der Entwicklungen in Geldern im Rahmen des Niederländischen Aufstands, aber auch des gescheiterten Böhmischen Aufstandes und der strukturell vergleichbaren niederrheinischen Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg, in denen es wegen der im Zeichen der <em>via media</em> stehenden faktischen religiösen Toleranzpolitik zu keinen vergleichbaren Aufstandsbewegungen kam, leistet die Arbeit einen Beitrag zur niederländischen und rheinischen Landesgeschichte wie auch zur europäischen Ständeforschung und damit zu einem tieferen Verständnis der Phänomene Macht und Herrschaft in der Vormoderne, indem diese aus der Perspektive der Herrschaftsbeschränkung im politischen Feld der europäischen Frühen Neuzeit heraus beleuchtet werden.

Kontakt: ttenhaef[at]uni-bonn.de 

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Natascha Thery M.A.:

Diarien vom Westfälischen Friedenskongress. Politische Berichtspraxis und lebensweltliche Erfahrungen frühneuzeitlicher Gesandter

Die Arbeit befasst sich mit den überlieferten deutschsprachigen Diarien von Gesandten auf dem Westfälischen Friedenskongress und untersucht ihre Bedeutung. Hierbei werden sowohl die Aufzeichnungen von bekannten Diplomaten wie dem kaiserlichen Gesandten Dr. Isaak Volmar oder dem Gesandten Kurkölns Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg untersucht, aber auch von weniger bekannten Teilnehmern wie zum Beispiel dem oldenburgischen Rat Dr. Conrad Balthasar Pichtel oder dem Abgesandten der Wetterauischen Grafen Dr. Johann Geißel. Die Bearbeitung der unterschiedlichen Aufzeichnungen von verschiedenen Verhandlungsseiten soll eine neue Perspektive bei der Bewertung des Kongressalltages und der Verhandlungen und Beziehungen der Diplomaten untereinander aufzeigen.

Im Rahmen des Dissertationsprojektes werden folgende zentrale Fragen untersucht:

Was sind Diarien eigentlich? Welche Diarien von Diplomaten auf dem Westfälischen Friedenskongress existieren und wie unterscheiden sie sich? Welche Intentionen führten zur Abfassung von Diarien? Welche Erwartungen hatten die möglichen Auftraggeber und was passierte mit den Aufzeichnungen an den Höfen? Wie haben die Gesandten in Westfalen gelebt und miteinander kommuniziert? Und letztlich wird die Frage gestellt, ob und inwiefern die „Diarien vom Westfälischen Friedenskongress“ überhaupt eine gemeinsame Gattung darstellen.

Als wesentliche Quellengrundlage des Projektes dienen die erhaltenen Diarien der Gesandten, teils veröffentlicht in Quelleneditionen wie den „Acta Pacis Westphalicae“, teils ungedruckt.

Kontakt: Email: s5nather[at]uni-bonn.de    

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Maren Walter M.A.:

Geheimdiplomatie auf dem Westfälischen Friedenskongress. Post, Briefspionage und Informationssicherheit

Historische Betrachtungen von Spionage und Diplomatie haben Konjunktur – und das nicht erst seit der Veröffentlichung der Praktiken des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA durch den Whistleblower Edward Snowden. Vor allem das 20. Jahrhundert bietet mit zwei Weltkriegen und einem Kalten Krieg zahlreiche Anknüpfungspunkte für unterschiedliche Forschungsvorhaben. Systematische, kultur- und politikgeschichtlich relevante Studien zum Verhältnis von Diplomatie und Spionage in der Frühen Neuzeit gibt es dagegen kaum. Dieser Befund gilt insbesondere für das Heilige Römische Reich deutscher Nation, das von der sogenannten Intelligence-Forschung bisher wenig beachtet wurde. Ein neues Modell, das an der Schnittstelle von Intelligence und Diplomatie ansetzt, ist das der Geheimdiplomatie. Im Fokus aller geheimdiplomatischer Tätigkeit steht das Wissen, das einen Staat oder zentrale Herrschaftsträger gegenüber potentiellen und realen Gegnern bevorteilen und dadurch politisch handlungsfähig machen sollte. Die dazu getroffenen Maßnahmen waren neben der Repräsentation des Herrschers und der Verhandlungsführung ein wesentliches Betätigungsfeld von Diplomaten in ständigen Gesandtschaften. Das Dissertationsprojekt untersucht Aspekte des Verhältnisses von Diplomatie und informellen Kommunikationsstrukturen anhand der kaiserlichen Gesandtschaft auf dem Westfälischen Friedenskongress. Dabei ergeben sich einerseits Fragen nach den unterschiedlichen Funktionsweisen der frühneuzeitlichen Post und des frühneuzeitlichen politischen Systems und andererseits nach den Strukturen informeller Informationsbeschaffung, der Briefspionage, der Informationssicherheit und des Informationsschutzes.

Kontakt: marenwalter[at]gmx.net  

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

Eckhard Zühlke M.A.:

Die Rezeption des Westfälischen Friedens durch Juristen und Historiker im 18. und 19. Jahrhundert

Nach den Weltkriegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der Dreißigjährige Krieg das historische Geschehnis, das sich am tiefsten in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben hat. Von daher erhält der Westfälische Friedenskongress, der jenen Krieg beendet hatte, seine besondere Bedeutung. Diese Arbeit untersucht, ob und, wenn ja, inwieweit die Ergebnisse und Auswirkungen dieses Kongresses auch noch von den Juristen und Historikern des 18. und 19. Jahrhunderts wahrgenommen und bewertet worden sind. Für diese Betrachtung stellt das Jahr 1806, in dem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endete, eine Zäsur dar.

Aus der Vielzahl der möglichen rechts- und geschichtswissenschaftlichen Autoren ist unter den Aspekten der Relevanz und Arbeitsökonomie eine Auswahl zu treffen. Jeder einzelne Autor wird mit einem Biogramm, mit seinen Werken und deren Wirkungen und insbesondere mit seinen Äußerungen zum Westfälischen Frieden dargestellt. Bisher sind folgende Autoren bearbeitet worden:

Juristen: Johann Jacob Moser, Johann Stephan Pütter, Karl Friedrich Eichhorn

Historiker: Johann Martin Chladenius, Arnold Herrmann Ludwig Heeren, Karl Ludwig von

Woltmann, Leopold von Ranke, Johann Gustav Droysen, Moriz Ritter.

Etwa fünf weitere Autoren sollen folgen.

Durch eine vergleichende Betrachtung der Äußerungen der einzelnen Autoren soll eine Gesamtschau der Rezeption des Westfälischen Friedens im 18. und 19. Jahrhundert im Kreise der Juristen und Historiker gewonnen werden. Ein Blick auf die Wahrnehmung und Bedeutung des Westfälischen Friedenskongresses aus heutiger Sicht wird die Arbeit abschließen.

Kontakt: eckhard.zuehlke[at]t-online.de 

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Guido Braun (Université de Haute-Alsace Mulhouse)

 

 

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