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Strategien und Methoden des Wissenschafts- und Technologietransfers: Mexikanische und deutschsprachige mineros im Austausch (18./19.Jh.)

Marie Mielke M.A.

In der Geschichte der modernen Naturwissenschaften spielt der Bergbau eine besondere Rolle. Gerade gegen Ende des 18. Jahrhunderts trafen dort verschiedene Wissenssysteme aufeinander und führten zu einem fruchtbaren Austausch: Die neu ausgebildeten und professionalisierten naturwissenschaftlichen Disziplinen der Chemie, Metallurgie und Mineralogie, die vor allem in Zentraleuropa oft kameralistisch gelenkte Bergbauindustrie sowie das jahrhundertealte Handwerk des Bergbaus. Auch der Kolonialstaat Neuspanien war stark daran interessiert, an dieser Entwicklung Anteil zu nehmen und Technologien insbesondere aus den deutschen Bergbaustaaten Sachsen, Preußen und Österreich vor Ort zu etablieren. Diesem Phänomen soll sich das geplante Dissertationsprojekt widmen, indem die Beziehungen zwischen deutschsprachigen und mexikanischen Bergbauwissenschaftlern, Bergwerksbesitzern und Bergleuten untersucht werden, die mit dem expliziten Ziel geknüpft wurden, wissenschaftlichen und technologischen Austausch zu fördern. Bei diesen Vorhaben trafen Akteure höchst heterogener Kulturen, gesellschaftlicher Schichten und Professionen aufeinander: Industrielle Bergwerksbesitzer aus der Schicht der Criollos, akademisch hochgebildete spanische und deutsche Bergbauwissenschaftler, indigene und mestizische Bergarbeiter sowie peninsulare Verwaltungsbeamten waren am gemeinschaftlichen Projekt des Wissenstransfers beteiligt. Durch die Untersuchung dieses Themas können so Einblicke in eine Vielzahl an interessanten Aspekten der Funktionsweise kolonialer Wissenschaft und Technologie um 1800 gewonnen werden. Das Kernstück der Arbeit wird eine Quellenanalyse bilden, die Dokumente aus verschiedenen Kontexten auf ihre Aussagekraft zu den Prozessen des Wissenstransfers hin befragt. Die erzielten Ergebnisse sollen schließlich mithilfe von wissensgeschichtlichen und -soziologischen Begriffen interpretiert und in den größeren Kontext der Wissensgesellschaften um 1800 eingeordnet werden. Ebenso sollen mithilfe postkolonialistischer Theorien zu subalternem Wissen die (Macht-)Beziehungen der beteiligten Wissenskulturen untersucht werden.

Kontakt: s5mamiel[at]uni-bonn.de

Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

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