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Kriegsgefangenschaft im Siebenjährigen Krieg. Normen – Praktiken – Lebenswirklichkeiten

Leonard Dorn M.A.:

Gefangenschaft als Problemfeld kriegerischer Auseinandersetzungen ist eine geschichtliche Konstante und verliert daher nie an Aktualität. Der Themenkomplex 'Kriegsgefangenschaft' ist im Hinblick auf das 20. Jahrhundert gut erforscht, wohingegen andere Epochen, insbesondere die Frühe Neuzeit, bisher kaum das Interesse der Geschichtswissenschaft geweckt haben. Exemplarische Studien existieren bisher in erste Linie zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Revolutions- und Empirekriegen. Das Dissertationsprojekt soll daher als Fallstudie dazu beitragen die bestehenden Lücken zu füllen. 

Für eine Untersuchung des Phänomens der Kriegsgefangenschaft eignet sich die Zeit des Siebenjährigen Krieges in besonderem Maße, denn sie ist der Scheitelpunkt der Entwicklung des frühmodernen Kriegsstaats mit Stehendem Heer und zunehmend effizienter werdender Militäradministration. Im Fokus steht das komplexe Verhältnis von Normen, Praktiken und Lebenswirklichkeiten im Kontext der Kriegsgefangenschaft. Das Augenmerk der Studie wird dabei auf dem britisch-französischen Konflikt liegen, der sich – gemessen am 'Kraftaufwand' der Kriegsparteien – hauptsächlich in Nordwestdeutschland, zur See und in Nordamerika abspielte.

Auf breiter Quellenbasis soll nach den Spezifika des Umgangs mit Gefangenen im 18. Jahrhundert  und den damit verbundenen völkerrechtlichen bis patriotischen Diskursen gefragt werden. Die Verwahrdauer der Gefangenen folgte beispielsweise einer zeitspezifischen Logik, welche den Praktiken der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts diametral entgegen steht: Anstatt dem Opponenten dauerhaft sein militärisches Potenzial zu entziehen, hatte der wechselseitige Austausch der Kriegsgefangenen meist Priorität. In Anknüpfung an jüngste Forschungen steht außerdem der soziokulturelle 'Impact' der Gefangenschaft im Fokus. Ziel ist es somit eine konzise Gesamtdarstellung, als Kontrapunkt zur „veritablen Nichtexistenz wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema“ (Daniel Hohrath) zu schaffen.

Kontakt: leonard.dorn[at]uni-bonn.de
Betreuer: Prof. Dr. Michael Rohrschneider

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